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02.02.04

Die Einführung des G8 in München

Die überstürzte Einführung des achtjährigen Gymnasiums – auch noch rückwirkend für das laufende Schuljahr – ist aus Sicht der Münchner Grünen ein gefährlicher Schnellschuss. Das bisher vom Kultusministerium veröffentlichte Minimalkonzept ist weder durchdacht noch ausgereift. Weder Eltern noch LehrerInnen oder SchülerInnen wurden in die Konzeption einbezogen. Dieses Vorgehen kann sich auf LehrerInnen und SchülerInnen nur absolut demotivierend auswirken.

Es ist absurd, dass seit zwei Jahren Modellversuche zum achtjährigen Gymnasium laufen, diese aber bisher weder abgeschlossen sind, noch ausgewertet wurden. Auch in München stießen diese Versuche an zwei Schulen, dem Asam- und dem Gisela-Gymnasium – auf starke Resonanz. Statt aber die gewonnenen Erfahrungen zu berücksichtigen, wird im Schnelltempo ein Lehrplan erstellt, von dem bisher nur wenig bekannt ist. Diese Politik zeugt von der typischen Arroganz einer Partei, die seit Jahrzehnten alleine regieren kann.

Grundsätzlich können wir Grüne uns das achtjährige Gymnasium gut vorstellen - allerdings nicht so übereilt wie die Staatsregierung es betreibt, sondern auf der Basis eines deutlich reduzierten und entschlackten Lehrplanes. Reduzierung des Lehrplanes heißt für uns Befreiung von überflüssigem Detailwissen und Konzentration auf das Wesentliche (im Sinne eines Grundwissenkatalogs), Vermittlung von Strategien und Methodenkompetenz statt Faktenhuberei. Es muss Zeit bleiben für Intensivierung und modernere Unterrichtsmethoden. Ein solcher Paradigmenwechsel, wie von der Bildungskommission des Freistaats gefordert, sehen wir im neuen G 9-Lehrplan noch nicht zureichend umgesetzt; hier muss für die neue G 8 noch intensiv nachgearbeitet werden.

Intensivierungsstunden sind begrüßenswert. Sie sind aber nur Erfolg versprechend, wenn der Lehrplan deutlich reduziert wird und nicht in diesen Stunden Stoff nachgeholt werden muss, wie das in einigen G 8-Modellschlulen der Fall ist.

Beim G 8 muss berücksichtigt werden, dass den Kindern neben den Hausaufgaben noch Raum und Zeit für Wahlfächer und Freizeitaktivitäten bleibt. Als Ausgleich ist auch ein angemessenes Angebot an Sport notwendig. Die Schule darf nicht zur reinen Paukanstalt verkommen. Es muss genug Raum für Ausgleich, künstlerische und soziale Aktivitäten, das Gemeinschaftsgefühl stärkende Projekte bleiben.Es muss versucht werden, diesen Anforderungen auch in der Normalform des G 8zu entsprechen. In der von uns favorisierten Ganztagsform sind diese Bedingungen jedoch viel besser zu realisieren.


Das G 8 an den städtischen Gymnasien

1. Den Vorschlag von Bürgermeisterin Dr. Burkert, den Unterricht auf den Samstag auszudehnen, lehnen wir ab. Gerade die gestiegen Zahl der Unterrichtsstunden macht eine ausreichende Erholungszeit am Wochenende notwendig.

2. Das G 8 ist für uns nur als Ganztagsschule sinnvoll. Denn die Fülle an Inhalten und Stunden an einem Tag kann nur effektiv verarbeitet werden, wenn der Biorhythmus der Kinder berücksichtigt wird. Nur eine Ganztagsschule bietet die Zeit für ausreichende Pausen und die Rhythmisierung des Unterrichts. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass schon für das nächste Schuljahr die sieben städtischen Gymnasien, die bereits eine Tagesheimbetreuung haben, für die 5. und 6. Klassen einen Ganztagsschulbetrieb anbieten. Dabei ist es noch eine offene Frage, ob der Ganztagesschulbetrieb dem jetzigen 5. Klassen einfach von oben verordnet werden kann. Längerfristig soll das achtjährige Gymnasium als Ganztagsschule auf alle städtischen Gymnasien und auch auf höhere Klassenstufen ausgedehnt werden.

3. Eine ausreichende und qualitativ hochwertige Mittagsverpflegung muss an den Schulen angeboten werden, um die Konzentrationsfähigkeit der SchülerInnen für die Nachmittagsstunden zu gewährleisten. Um den Bedarf der aller Münchner Gymnasien an Essensräumen, Ausstattung, Verpflegung und Personal festzustellen, muss umgehend eine Begehung der Schulen stattfinden. Es kann nicht angehen, dass die Stadt als Sachaufwandsträgerin die mit Sicherheit hohen Kosten für die Nachrüstung die Schulen alleine trägt. Wir fordern daher, dass der Freistaat im Sinne des Konnexitätsprinzips die finanzielle Verantwortung für die von seiner Politik verursachten Kosten übernimmt. Neben der Finanzierung der Ausstattung und der Räumlichkeiten über die IZBB-Mittel des Bundes (von denen die Stadt 10 % zu tragen hat) muss der Freistaat die Kosten für das notwendige zusätzliche Personal selbstverständlich übernehmen.

4. Wir befürworten die Ziele des Schulreferates das achtjährige Gymnasium an den städtischen Schulen sofort einzuführen. Eine spätere Einführung, die für städtische Schulen möglich wäre, birgt einige Probleme:

· Drei verschiedene gymnasiale Strukturen müssten nebeneinander geführt werden ( auslaufendes G9 alt, übergangsweise toleriertes G9 neu und G8 neu).

· Lehrplanadäquate Schulbücher sind weder vorhanden, noch zu erwarten oder zu finanzieren.

- Außerdem würde die übergangsweise Beibehaltung des G9 Schülerströme in Richtung kommunaler Gymnasien hervorrufen, die auf Grund der Limitierung der Eingangsklassen nicht aufgefangen werden könnten. Die Konsequenz wären Abweisungen und übervolle Klassen.