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Auf Antrag von Sabine Krieger, Jutta Koller und Tassia Fouki beschlosss die Stadtversammlung der Münchner Grünen am 15.2.2005:

Bildungsfahrplan bis 2008

1. Reformschule München
vgl. eigenen Antrag

2. Vernetzung Schule - Kinder- und Jugendhilfe
Schule und Kinder- und Jugendhilfe führen in München ein weitgehend getrenntes Dasein. Bis auf einzelne Kooperationsprojekte weniger Schulen und Lehrerinnen und Lehrer mit Kinder- und Jugendorganisationen vor Ort arbeiten Pädagoginnen und Pädagogen an Schulen und Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in den Einrichtungen getrennt an der Bildung der Kinder. Das muss und soll auch weiterhin nicht so sein! Schule verändert sich zur Zeit. Immer häufiger findet Schule auch am Nachmittag statt. Für uns ein Grund, Schulen und Kinder- und Jugendhilfe mehr miteinander zu vernetzen.

Was spricht dafür?

A. Zeit: Kinder die länger zur Schule gehen, haben weniger Zeit für außerschulische Aktivitäten in Kinder- und Jugendeinrichtungen.

B. Pädagogik: Kinder- und Jugendeinrichtungen machen andere Pädagogik. Sie befassen sich mit anderen Bildungsinhalten wie Kunst, Kultur etc., vermitteln Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Verantwortung etc. Dies bereichert das Schulleben!

C. Finanzen: Schule übernimmt immer mehr Betreuungsfunktionen. Dies zeigt der Zulauf zur pädagogischen Nachmittagsbetreuung an städtischen Realschulen und Gymnasien. Weder pädagogisch noch finanziell ist es sinnvoll, nachmittägliche Betreuung nur von LehrerInnen machen zu lassen.

Wie soll die Umsetzung aussehen?

A. Zusammenarbeit von Schulen und Kinder- und Jugendhilfe auf gleicher Augenhöhe. Nicht die Schule schafft an, sondern Schule und Kinder- und Jugendhilfe erarbeiten mit LehrerInnen, SozialpädagogInnen, Eltern und Kindern/Jugendlichen ein gemeinsames Konzept

B. Langfristig wird in der städtischen Verwaltung ein Referat für Kinder- und Jugend geschaffen.

C. Sprachförderung
Sprachförderung findet bisher in München durch vielfältigste Angebote und Projekte an einzelnen Kindergärten und Schulen statt. Bisher sind diese Angebote unzureichend koordiniert, ein einheitliches Konzept, wie Sprachförderung sowohl für Kinder mit Migrationshintergrund, als auch für deutsche Kinder aussehen kann, gibt es bisher nicht. Sprache ist in unserer Gesellschaft der Schlüssel zum Erfolg. Optimale Sprachkenntnisse erwerben Kinder vor allem im Alter bis 6 Jahre. Darüber sind sich alle Forscher einig. Deshalb wollen wir ein einheitliches Konzept der Sprachförderung für die Münchner Kinder. Dies muss sich vorrangig auf die Kindergärten konzentrieren, muss aber auch Angebote für die Schulen enthalten. Denn wir brauchen ein intelligentes Umgehen mit sprachlich heterogenen Klassen. Die Verbesserung des Schulerfolges ist mit Förderunterricht allein nicht zu erzielen, vielmehr ist sie in erste Linie Aufgabe des Regelunterrichtes. Die beste Hilfe zur Verbesserung der Kenntnisse in der Unterrichtssprache Deutsch ist ein zweisprachiges Lernen, also die Koordinierung des Unterrichts in der Muttersprache mit dem Regelunterricht.

4. Weiterer Ausbau der Ganztagsschule
Wir haben es immer gefordert: G 8 an städtischen Gymnasien nur als Ganztagsschule. Das Schulreferat ist hier vorbildlich und versucht den rot-grünen Stadtratsbeschluss zum G 8 als Ganztagesschule umzusetzen. Die Gymnasien wurden befragt, wie der Bedarf nach Ganztagsangeboten ist. Jede Schule hat daraufhin ein eigenes, individuelles und an den Bedürfnissen der SchülerInnen orientierten Konzept entwickelt. Das reicht vom Angebot eines Mittagessens ohne nachmittägliche Betreuung bis zur vollständigen Ganztagsschule mit rhythmisiertem Unterricht wie am Elsa-Brändström Gymnasium.
Im Bereich der Realschulen ist in München in den letzten Jahren viel erreicht worden. An allen Realschulen in München gibt es seit einigen Jahren eine pädagogische Nachmittagsbetreuung, die von den Lehrkräften gestaltet wird. Dies bietet eine ideale Voraussetzung um auch hier an einigen Schulen den echten Ganztagsbetrieb mit rythmisiertem Unterricht auszubauen.
Doch dies sind erst der die ersten Schritte. Zu einer Ganztagsschule gehört nicht nur die Organisation der Mittagsbetreuung und der Räume und LehrerInnen für den Nachmittagsunterricht. Dazu gehören auch Aufenthaltsräume für SchülerInnen, Arbeitsplätze für LehrerInnen, eine veränderte Einstellung zum Unterricht und zu Hausaufgaben und nicht zuletzt, die Erkenntnis für LehrerInnen und SchülerInnen, dass Schule Lebensort ist.
Der Freistaat muss intensiv bearbeitet werden, damit er mehr Ganztags -Hauptschulen, aber auch Ganztags-Grundschulen einrichtet. Solange das nicht passiert, muss die Stadt nach innovativen Modellen suchen, wie auch an den stattlichen Schulen Ganztagsbetrieb geschaffen werden kann.

5. Vorschulische Bildung
Bildung beginnt nicht mit dem Eintritt in die Schule. In Kinderkrippen und -gärten in München wird wertvolle Bildungsarbeit geleistet.
ErzieherInnen müssen Unterstützung erhalten, den Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan, der in vielen Punkten alte Grüne Forderungen enthält, umsetzten zu können. Der BEP muss verstärkt auch die Belange von Kindern unter 3 Jahren aufgreifen – ein Thema, das in Bayern bisher sträflich vernachlässigt wurde.
Die Gestaltung der Übergänge Krippe – Kindergarten vor allem aber Kindergarten – Schule muss Bestandteil der ErzieherInnen- und LehrerInnenausbildung werden und intensiv begleitet werden.
Zum Erhalt und Ausbau der pädagogischen Vielfalt in München setzen wir verstärkt auf die Zusammenarbeit und Unterstützung von freien Trägern im vorschulischen Bereich.

6. Wie weiter nach der Regelschule? Hinaus ins feindliche Leben?
Die Beruflichen Schulen sind stärker als alle anderen dem Druck der Anforderungen der freien Wirtschaft ausgesetzt. Das hat den Vorteil, dass sie schneller als andere auf Veränderungen gerade in den I- und Kommunikations- Bereichen reagiert haben, birgt aber auch die Gefahr, dass sogenannte berufsfremde Fächer wie Deutsch, Sozialkunde oder Sport schnell im Feuer stehen. Dem müssen wir im Interesse eines breiten Bildungsangebotes auch für BerufsschülerInnen entgegentreten.
Die wenigen Bereiche, in denen wir Ansätze von Produktionsschulen schaffen konnten müssen erhalten und ausgebaut werden, auch wenn die Handwerkskammer und ähnliche Organisationen befürchten, damit die Münchner Wirtschaft zum Erliegen zu bringen.
Hauptaugenmerk in den nächsten Jahren muss auf die Unterstützung der Jugendlichen gerichtet werden, die keinen oder keinen ausreichenden Schulabschluss haben. Wir wollen, dass diese jungen Menschen nicht in Jungarbeiterklassen ihre Schulpflicht absitzen, sondern dass sie intensive Qualifizierungsangebote erhalten.
Gerade für die Mädchen darf es keine „Rettung vor Schulbildung„ bedeuten, dass sie „rechtzeitig„ schwanger werden.

7. Finanzierung

· Wenn der Freistaat sich auch weiter weigert, der Stadt München höhere Lehrpersonalkosten zu erstatten, sind wir auch bereit, Schulen an den Freistaat abzugeben. Aus einem Teil des eingesparten Geldes sollen die oben genannten Reformprojekte finanziert werden.

· Auch die Wirtschaft hat ein Interesse, dass es mit der Bildung aufwärts geht. In München sitzen viele große und finanzkräftige Unternehmen, die vielleicht bereit sind auch Verantwortung für Bildung in München zu übernehmen. In Anlehnung an den Bildungspakt Bayern wollen wir auch für München einen Bildungspakt gründen.

· Fort- und Weiterbildungsanbebote werden oft von Privaten für teures Geld angeboten. Gerade an unseren Berufsschulen haben wir ein breites Spektrum an hoch technisch ausgestatteten Räumlichkeiten und interessierte LehrerInnen, die gerne in diesem bereich arbeiten würden.

Dies könnte der Stadt gute Einnahmen erbringen, bzw Kosten ersparen, wenn wir die Fort- und Weiterbildung aussourcen würden z.B. in eine Stiftung.