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Schule für Eltern

Eine neue Diskussion durchzieht Deutschland. Welche Rolle spielen Eltern eigentlich heute bei der Erziehung ihrer Kinder? Wissen sie eigentlich wie sie ihre Kinder erziehen wollen oder sind viele damit überfordert? Welche Hilfe brauchen Eltern?


Kevin und die Supernanny sind sicher nur die Spitze des Eisbergs einer Krise in deutschen Familien. Dennoch zeigt der Fall des gequälten Kindes und der Blick in schwierige Familienverhältnisse bei der Supernanny, dass in Deutschland in Sachen Erziehung Handlungsbedarf besteht. Viele Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Die Ursachen sind vielfältig. Wertewandel, Leistungsdruck, Arbeitslosigkeit, schnelle Veränderungen der Gesellschaft und der Medienkonsum mit der damit einhergehenden fehlenden Kommunikation in der Familie, sind nur einige Erklärungsmöglichkeiten. Immer mehr Eltern wünschen sich Unterstützung bei der Erziehung und auch ErzieherInnen und LehrerInnen wünschen sich Unterstützung durch die Eltern. Elternabende allein, auch wenn sie in verschiedenen Sprachen abgehalten werden, erreichen viele Eltern nicht. Außerdem sind die Probleme von Eltern mit ihren Kindern oft so grundlegend, dass diese nicht an einem Elternabend gelöst werden können. Erziehungsvorstellungen mancher Familien, vor allem aus anderen Kulturkreisen, stehen teilweise in starkem Widerspruch zu den Erziehungsvorstellungen in deutschen Kindergärten und Schulen. Deshalb ist der Ansatz der Nikolaus-August-Otto-Oberschule in Berlin so bemerkenswert.

Vor drei Jahren wurden dort erfolgreich Elternseminare zur Verbesserung der Erziehungskompetenz der Eltern verpflichtend eingeführt. Nur Eltern, die an diesen Seminaren teilnehmen, können ihr Kind auf die Nikolaus-August-Otto-Oberschule schicken. Und der Zulauf ist weit höher als Kinder aufgenommen werden können. Zehn Wochen lang, noch bevor ihre Kinder in die Oberschule eingeschult sind, kommen die Eltern zum STEP-Elterntraining. Sie gehen in Vorleistung für ihre Kinder und leben ihnen vor, dass sie sich für sie einsetzen, pünktlich erscheinen, regelmäßig die Seminare besuchen, auch wenn sie sich mal nicht gut fühlen. Sie zeigen ihnen, dass sie aktiv sind, sich mit viel Freude und großem Humor beteiligen, neuen Lern- und Arbeitsformen gegenüber aufgeschlossen sind, regelmäßig ihre Hausaufgaben machen und sich auf neue Erfahrungen einlassen.

Das STEP Elterntraining wurde von Prof. Hurrelmann entwickelt.Es hilft, beim Erziehungsstil die Individualität der eigenen Kinder zu beachten und ihre Stärken zu fördern. Kernelemente des Trainings sind Ermutigung, Kommunikation – dabei vor allem das aktive Zuhören - , Problemlösung und Disziplin. (Weitere Infos zum STEP www.instep-online.de )

Die Eltern stehen voll und ganz hinter dieser Anforderung und erkennen, welche Chance es sein kann, über Erziehung nachzudenken, sich mit anderen auszutauschen und gemeinsam neue Wege zu gehen.

Schulleben und Schüler haben sich durch die Kurse verändert. In einem Interview berichtete die Lehrerin und Initiatorin der Elternkurse Eva Schmoll. „Es ist plötzlich eine Unterstützung und Offenheit durch die Eltern da, die ich in 33 Jahren Schulerfahrung nicht erlebt habe. Die Beteiligung an den Elternabenden ist höher. Die Eltern wollen jetzt ein Zimmer in der Schule für sich haben. In einer Klasse machen Eltern am Schuljahresende eine Extra-Veranstaltung, um den Einsatz der Kinder zu würdigen Ich denke, es beeindruckt die Kinder ganz schön, dass die Eltern für sie in Vorleistung treten und um den Schulplatz für ihr Kind kämpfen. Da entsteht Verpflichtung. Die Kinder merken, dass die Eltern bereit sind, etwas für sie zu tun. Das ändert ihre Haltung gegenüber Schule.“

In diesem Jahr wurden weitere Lehrer in Berlin als Kursleiter ausgebildet. Das ermöglicht 15 weiteren Schulen dieses Projekt anzubieten.

Klaus Hurrelmann, Erziehungswissenschaftler in Bielefeld und Leiter des wissenschaftlichen Teams, das die neue Shell-Studie erarbeitet hat, schätzt, dass es etwa 15 Prozent definitiv überforderte Elternhäuser gibt. Um den Eltern die Mischung aus liebevoller Zuwendung und notwendiger Distanz, aus Klarheit und Zuverlässigkeit beizubringen, die für eine gelungene Erziehung unerläßlich ist, fordert auch Hurrelmann Trainingskurse für Väter und Mütter, die verpflichtend an die Anmeldung eines Kindes im Kindergarten oder in der Grundschule geknüpft werden könnten.

Obwohl diese Seminare in Berlin an einer Schule angeboten werden, ließen sie sich sicherlich auch auf Kindertagesstätten übertragen. Deshalb haben wir in einem Antrag gefordert, in einem Pilotprojekt an einer Kindertagesstätte in München Elternseminare verpflichtend und an einer weiteren Kindertagesstätte freiwillig anzubieten. Verpflichtung widerspricht sicher in gewisser Weise unserem grünen Freiheitsbegriff. Aber ich glaube nur die Verpflichtung wird auch Eltern aktivieren, die sonst nicht erreicht werden, für aber ein Trainingskurs besonders hilfreich wäre. Durch die unterschiedliche Konzeption von Verpflichtung und Freiwilligkeit, wird sich klären, welches Konzept zielführender ist und besser angenommen wird. Nach der Pilotphase von zwei Jahren, soll dann geklärt werden, ob das Angebot auf weitere Kindertagesstätten ausgeweitet werden kann.

Der Vorteil von Elternseminaren schon im Vorschulalter wäre, Eltern bereits frühzeitig in der Erziehung helfen zu können. Die Eltern würden im Erziehungsalltag mit ihren Kindern gestärkt und die Zusammenarbeit an den Einrichtungen verbessert. Dadurch könnte der Blick auf die Kinder erneuert werden und ihre Stärken besser gefördert werden.

Wünschenswert wäre es trotzdem, auch an Münchner Schulen solch ein Angebot zu machen. Jedoch sind Hauptschulen in München staatlich und deshalb schwer erreichbar. Aber auch manche Realschulen oder eventuell auch Gymnasien könnten von den Kursen profitieren. Nach einer erfolgreichen Pilotphase könnte vielleicht auch eine Zusammenarbeit mit den staatlichen Schulen realisiert werden.
Man könnte die Teilhabe der Eltern am schulischen Leben wesentlich verbessern und die Idee der Öffnung der Schulen konkret mit Leben füllen. Deshalb haben wir gefordert, dass in einem zweiten Schritt geprüft werden soll, ob und an welchen Schulen Elternseminare angeboten werden können.

Um das Ganze zu einem Erfolgsprojekt zu machen, müssen Schulen, Eltern, Kindertagesstätten , Verwaltung und Migrantenverbände an einem Strang ziehen. Dann kann das Projekt auch für Migrantenkinder eine echte Chance sein, auf der Erfolgsleiter des deutschen Bildungswesens voranzukommen.