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Oktober 2003
Grüne Offensive gegen Laubsauger
Seit einigen Jahren werden sie verstärkt in Gärten und Parks eingesetzt: Laubblas- und Laubsauggeräte. Vielen Menschen sind die lärmenden Geräte ein Ärgernis. Und dieser Ärger ist nur all zu verständlich. Schließlich produzieren sie etwas, was es in der Stadt bereits im Überfluss gibt: Lärm und Abgase. Außerdem schädigen sie die Bodenfauna.
Aus diesen Gründen hat die Grüne Stadtratsfraktion beantragt, auf städtischen Grünflächen künftig keine Laubbläser und Laubsauger mehr einzusetzen. Unter ökologischen Aspekten sind diese Geräte völlig verzichtbar - und besonders in unseren Parks sollten diese Aspekte im Vordergrund stehen! Ein allgemeines Verbot liegt jedoch nicht in der Macht der Stadt - und ein entsprechender Vorstoß des Bundesumweltministeriums ist vor kurzem gescheitert. Immerhin gibt es jetzt wegen der hohen Lärmemissionen (bis zu 115 dB(A), das entspricht einem Presslufthammer) in Wohngebieten strenge Betriebsbeschränkungen. Denn bei Pegeln von 90 dB(A) und mehr nimmt die Gefahr einer Gehörschädigung deutlich zu.
Auch die Abgasemissionen sind äußerst problematisch. Laubbläser mit Verbrennungsmotor geben laut BUND mehr als ein Drittel des benötigten Kraftstoffes unverbrannt als giftige Kohlenwasserstoffe in die Luft ab. Das Umweltbundesamt hat berechnet, dass ein Zweitaktmotor 200 mal so viel unverbrannte Kohlenwasserstoffe ausstößt wie ein PKW mit geregeltem Katalysator. Hinzu kommen noch Stickoxide und Kohlenmonoxid. Diese Abgasemissionen schaden insbesondere der Gesundheit der Benutzer, in Form von Kopfschmerzen oder Atemwegserkrankungen.
Auch die Bodenfauna wird durch die Geräte geschädigt. Der lockere Oberboden, Humusteile, Feinreisig, Pflanzenreste, Blätter etc. werden aufgesaugt oder verblasen. Gleiches gilt für in der bodennahen Krautschicht lebende Kleintiere (z.B. Käfer, Spinnen Tausendfüßler, Asseln, Springschwänze, Amphibien), die wichtige ökologische Funktionen erfüllen (Schädlingsvertilger, Zersetzung von organischem Material).
Der Entzug von Biomasse aus dem natürlichen Stoffkreislauf vor Ort führt zu einer Verarmung des Bodenlebens. Die Kleintiere, aber auch Kleinsäuger wie der Igel, die auf abgestorbenes Pflanzenmaterial angewiesen sind, verlieren ihre Nahrungsgrundlage oder für das Überleben im Winter dringend benötigte Deckung. Ohne die schützende Deckschicht trocknet der Boden leichter aus und ist schlechter gegen Extremtemperaturen geschützt. Die Neubildung von Humus nimmt ab. Pilze, die für die Verrottung der Blätter notwendig sind, werden entfernt. Die Folge ist eine Verhagerung des Oberbodens.
Natürlich argumentiert das Gartenbauamt mit den erhöhten Personalkosten, die durch einen Verzicht auf die Laubbläser entstehen. Doch das lässt Fraktionsvorsitzende Sabine Krieger nicht gelten. Sie plädiert dafür, auf Grünflächen weniger Laub zu entfernen und womöglich ganz darauf zu verzichten: "Die Reduzierung der Kehrarbeiten und der Wegfall des Abtransportes würden die zusätzlichen Kosten für mehr Arbeitskräfte kompensieren. Wege müssen selbstverständlich frei gehalten werden, z.B. mit Kehrmaschinen. Das Liegenlassen der Blätter bis zum fast vollständigen Laubabfall und das einmalige Zusammenrechen in eine windstille Ecke ohne Abtransport der Blätter (Laubhaufen = Schutzraum für Tiere) wäre für Boden und Tiere die optimale Pflege der herbstlichen Grünflächen. Um dem Arbeitszeitargument und den daraus resultierenden möglichen Mehrkosten noch auf eine andere Weise zu begegnen, weisen wir darauf hin, dass das Zusammenrechen des Laubs mit Rechen und Besen besonders bei häufig nassen und schweren Laub Vorteile hat. Denn nasses Laub stellt für jedes maschinelle Blas- oder Aufnahmegerät ein Problem dar. Durch den Einsatz von Maschinen wird der Benutzter oft zu einer übertriebenen Genauigkeit bei der Säuberung der Flächen verleitet. Zudem verführen die Geräte zu einem nicht zweckgemäßen Einsatz (Staub verblasen statt kehren). Die Folge ist eine Verlängerung der aufzuwendenden Arbeitszeit gegenüber rein manuellen Verfahren. Die Stadt sollte aber mit gutem Beispiel voran gehen und ihre Nachhaltigkeitsziele ernst nehmen."
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