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DIE NORMATIVE KRAFT DES ERDÖLPREISES
Die städtischen Wohnungsbaugesellschaften verpflichten sich dem Klimaschutz

Nachdem sich das Planungsreferat und die städtischen Wohnungsbaugesellschaften beim Thema Klimaschutz lange hinter dem Kostenargument verschanzt haben, zeigt sich endlich Einsicht: Die Wohnungsbaugesellschaften verpflichten sich, bei allen Neubauten und Altbausanierungen die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (ENEV) um 10% zu überschreiten – und das unter Verzicht auf den Fernwärmebonus.

Klimawandel, Klimaschutz, Erderwärmung: bis vor kurzem waren das nur abstrakte Begriffe, deren Folgen nur wenige wahrhaben wollten. Das Thema wurde weitgehend verdrängt. Doch seit dem neuesten IPCC Bericht (Intergovernmental Panel on Climate Change) ist das anders. Die Gefahren und Veränderungen durch den Klimawandel werden so dramatisch sein, dass sich selbst die Bildzeitung dieses Themas angenommen hat. Denn nicht nur ferne Länder wird es treffen, sondern auch Deutschland. Der Handlungsdruck steigt massiv.

München hat in den letzten Jahren schon einiges auf den Weg gebracht,der Titel „Bundeshauptstadt im Energiesparen“ beweist es. Doch gerade beim Wohnungsbau und bei der Altbausanierung ist außer einigen Modellprojekten bisher wenig passiert. Die zusätzlichen Aufwendungen für Dämmstandards, die über die ENEV hinausgehen, wurden vom Planungsreferat stets als unrentabel bezeichnet. Trotz häufiger Initiativen liefen wir Grünen hier immer ins Leere. Die Haltung der SPD war von der Angst vor steigenden Mieten bestimmt und dem Planungsreferat war das Thema lästig.

Unser Antrag vom April letzten Jahres „Münchner Wohnungsbaugesellschaften verpflichten sich dem Klimaschutz“ hat nun aber doch die Bereitschaft ausgelöst, sich zu bewegen. Warum jetzt? Hauptmotiv waren wohl die ständig steigenden Energiepreise, denn damit werden niedrige Dämmstandards auch für die Mieter zum Kostenfaktor. Während die erste Miete in den letzten Jahren relativ konstant geblieben ist, hat sich die zweite Miete ständig erhöht. Daran haben die Heizkosten einen erheblichen Anteil. Lagen die Heizölpreise im Januar 2003 noch bei ca. 36 € pro 100 Liter, liegen sie im Februar 2007 bei ca. 55 € pro 100 Liter. Zwar ist der Ölpreis im letzten Jahr von seinem Höchststand von ca. 65 € wieder gesunken, doch stellt sich die Frage, wie lange diese Entwicklung anhalten wird.

Einen wichtigen Beitrag für eine Prognose kann dabei die „Peak Oil“-Diskussion leisten. Die Schweizer Firma Petroconsultants in Genf ist die weltweit führende Quelle für Informationen über Rohölsuche und Rohölproduktion. In einer Ausgabe ihres Berichtes „World Oil Supply 1930 - 2050“ legen die Autoren dar, dass der Höhepunkt der weltweiten Ölproduktion irgendwann zwischen dem Jahr 2000 und 2010 erreicht werden wird. Die amerikanische Firma Douglas- Westwood, die den Bericht „The World Oil Supply Report 2003-2050 – The future for global oil production“ (Weltölproduktionsbericht 2003- 2050, Die Zukunft der globalen Ölproduktion) verfasst, prognostiziert den Höhepunkt der Erdölförderung erst später – ca. 2015-2020. Egal, welche Prognose genauer ist, der Höhepunkt der Erdölförderung wird mit Sicherheit bald erreicht sein. Angesichts der ständig wachsenden Erdbevölkerung und der ständig steigenden Nachfrage nach Erdöl vor allem in den Ländern der Dritten Welt und aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China und Indien werden die Preise auch weiterhin steigen. Dies gilt auch für die Erdgaspreise, die mit Verzögerung an die Ölpreise gekoppelt sind.

Deshalb ist es neben den erheblichen Effekten für den Klimaschutz im Interesse von Mietern und Wohnungsbaugesellschaften, durch optimale energetische Sanierung der stetig steigenden Entwicklung der Heizkosten entgegenzuwirken (Prognosen gehen von einer Verdoppelung der Energiekosten in den nächsten zehn Jahren aus). Wird diese Kostensteigerung bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung für die nächsten Jahre berücksichtigt, rechnen sich auch teurere, aber weit effektivere energetische Maßnahmen.

Auf Grund dieser zu erwartenden Entwicklung gewinnt ein niedriger Energieverbrauch in Wohngebäuden immer mehr an Bedeutung. Dies wurde auch in der von der Landeshauptstadt München in Auftrag gegebenen Studie „Kommunale Strategien zur Reduktion der CO2-Emissionen um 50% am Beispiel München“ erkannt. Gerade die Altbausanierung hat im Bereich Wärme das höchste Treibhausgasreduktionspotential von über 20%.

Es ist daher ganz im Sinne Grüner Politik, dass sich die städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG, MGS, Gewofag und HEIMAG im Januar 2007 verpflichtet haben, bei allen Neubauund Sanierungsmaßnahmen den nach der Energieeinsparverordnung berechneten Transmissionswärmeverlust um 10% zu unterschreiten. Außerdem werden sie dabei auch noch auf den sogenannten Fernwärmebonus verzichten (d.h. der durch Fernwärmeversorgung erreichte höhere Effizienzgrad wird nicht in den von der EnEV vorgegebenen Primärenergiebedarf eingerechnet). Dadurch werden noch weitaus größere CO2-Einsparungen erzielt (bis zu 50% mehr als gefordert). Um die Energieentwicklung der städtischen Wohnungen effektiv bewerten zu können, verpflichten sie sich auf Dauer, ein Energiemanagement ihrer Gebäude aufzubauen und einen regelmäßigen Energiebericht im Rahmen ihrer jährlichen Geschäftsberichte zu verfassen. Da sich die städtischen Wohnungsbaugesellschaften ihrem sozialen Auftrag verpflichtet fühlen, werden die erhöhten Kosten nicht auf die Mieter umgelegt, sodass diesen die Heizkosteneinsparungen vollständig zugute kommen.

Mit diesem Beschluss übernehmen die Städtischen Wohnungsbaugesellschaften auch Vorbildfunktionen für freie Bauträger, an die sie ihre Erfahrungen weitergeben können. Unterstützt wird diese Strategie noch durch den Beschluss, bei der Vergabe von städtischen Grundstücken für Wohnungsbau diejenigen Bewerber zu bevorzugen, die sich bereit erklären, auf den Fernwärmebonus zu verzichten bzw. über die Anforderungen der EnEV hinauszugehen. Diese freiwillige Selbstverpflichtung ist endlich auch in der Altbausanierung und im Wohnungsbau ein Aufbruch ins Zeitalter des Klimaschutzes. Weitere Schritte müssen folgen.

Sabine Krieger





Peak Oil:

"Obwohl die Ölreserven in den letzten Jahren einen Aufwärtstrend aufzuweisen scheinen, führt dies zu falschen Schlussfolgerungen. Fast 80% des Öls, das heute produziert wird, stammt von Ölfeldern, die vor 1973 gefunden wurden, und bei den meisten von ihnen ist die Förderung im Abwärtstrend. 1990 fanden die Ölfirmen durchschnittlich 7 Gigabarrel pro Jahr, förderten aber über dreimal diese Menge. Dies bedeutet dass die Ölfelder mit zunehmender Geschwindigkeit entleert werden. (...) Mehr Geld in die Ölsuche zu stecken, wird nichts helfen. (...) Es gibt nur eine endliche Menge Öl in der Welt, und die Industrie hat ca. 90% davon bereits gefunden."

Colin Campbell, englischer Geologe und Gründer der „Association for the study of Peak Oil and Gas“.