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Auf Antrag von Sabine Krieger, Jutta Koller und Tassia Fouki beschlosss die Stadtversammlung der Münchner Grünen am 15.2.2005:


Reformschule für München

Angesichts der vielfältigen Probleme in den verschiedenen Schulformen erscheint es uns an der Zeit, dass auch Bayern sich eine Reformschule leistet. Andere Bundesländer wie Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen sind da viel weiter.

Das Bayerische Kultusministerium hat bisher nichts unternommen, auch in Bayern eine Reformschule zu installieren. Reformschulen, in denen verschiedene Reformansätze bis zur Sekundarstufe I ( 9./10. Klasse) zusammengefasst werden, gibt es in Bayern bisher nicht. Ein Gesamtkonzept einer anderen Schule wird nicht erprobt! Stattdessen setzt der Freistaat lieber auf frühe [nicht frühere] Selektion, verkürzte Gymnasialzeit und kleinere Projektansätze in einzelnen Schulen, die selten evaluiert werden. Lediglich in Nürnberg wird mit der Jenaplan Schule, einer GRUNDSCHULE (!), nur ein Teilaspekt einer Reformschule erprobt.

München als innovative Schulstadt mit seiner vielfältigen Schullandschaft scheint prädestiniert, dieses Manko endlich zu beseitigen. Angesichts der erschreckenden PISA Ergebnisse 2003 müssen wir uns neuen Ansätzen öffnen.

Danach hat sich der große Unterschied zwischen guten und schlechten Schülerinnen und Schülern, von den Forschern bereits in Pisa 2000 kritisiert, weiter verschärft. Nicht verbessert hat sich auch die extrem hohe Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft der Kinder. Ganz im Gegenteil. Als "wichtige Herausforderung für die nächsten Jahre" mahnen die Forscher für Deutschland drei Dinge an: "Die Verbesserung der Kompetenzen im unteren Leistungsbereich, die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und die Reduzierung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft, Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb." Deshalb fordern wir eine Reformschule für München!

Folgende organisatorische und inhaltliche Prinzipien sollen Bestandteil der Reformschule München sein:

  1. Gemeinsame Schulzeit von 0-10 ( eventuelle Einbeziehung der Vorschulbildung), altersgemischte Gruppen ( z.B. zwei aufeinanderfolgende Jahrgänge), rhythmisierte Ganztagsschule (mit einem Tagesablauf, der nicht von einem vorgegebenem 45-Minuten-Takt bestimmt ist, sondern sich an den Ruhe- oder Bewegungsbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler und an den Lernphasen orientiert)
  2. Innovative Unterrichtsformen: Fächerübergreifender Unterricht, Aufgabe des 45-Minutentaktes, Projektlernen, Lernen in größeren Erfahrungsbereichen z.B. Umgang mit Sachen, mit dem eigenen Körper, mit Sprache etc.
  3. Verschiedene Formen der Individualisierung des Lernprozesses (Aufgabe von Schule ist es, jedem Kind und Jugendlichen zu ihm passende, ihm gemäße Lernangebote zu machen und ihm bei der Konstruktion der individuellen Lernwege behilflich zu sein.)
  4. Individuelle Beurteilung von Lernfortschritten ( z.B. Lernentwicklungsberichte, denen viele Gespräche, Beobachtungen und Selbsteinschätzungen vorausgegangen sind oder Beiblatt zu Zeugnis über Sozial- und Arbeitsverhalten)
  5. Schule als Lebensort: (Schulleben, Gestaltung der Schule, Einbeziehung der Eltern, Schülermitbestimmung, Öffnung für und in den Stadtteil)
  6. Interkulturelles Lernen (im Sinne des sozialen Lernens: Respekt und Achtung vor anderen Kulturen, Religionen, Verhaltensweisen etc. und der eigenen Kultur etc.; Anerkennung des "Anderen" bei gleichzeitiger Reflexion über das „Eigene“).
  7. Schule für alle (für Mädchen und Jungen, ausländische und deutsche Kinder,Flüchtlingskinder, Kinder aus armen und reichen Verhältnissen, Kinder von alleinerziehenden Elternteilen und Kinder aus "vollständigen" Familien, Kinder mit Geschwistern und ohne Geschwister, Kinder mit einer sog. Behinderung und Kinder ohne, verhaltensauffällige und verhaltensunauffällige Kinder...)
  8. Kooperative Arbeitsformen (im Kollegium, unter den Lernenden, in der Beziehung zwischen Lernenden und Unterrichtenden)

Als weitere Ziele:

Zeit für Orientierung
- in der inneren Welt der Heranwachsenden z.B. Rollenspiele, Phantasiereisen,Konflikttraining, Gespräche, Gespräche, Gespräche, Ruhe- und Besinnungszeiten, Spiele und ähnliche "Programm"

- in der äußeren Welt z.B. in Form von Projekten, Reisen, nationalen und internationalen Partnerschaften und Austauschen, in Form von praktischer Unterstützung von sozialen Projekten und Institutionen im In- und Ausland und nicht zuletzt in verschiedenen Praktika.

Autonome Schule (autonome Verwaltung der Geldmittel der Schule, freie Gestaltung, autonome Entscheidung bei Personaleinstellungen etc.; selbstbestimmte Realisierung der Lernziele und Entscheidung über die dafür sinnvollen Methoden

- Vernetzung ( Reformschulen, Betriebe, Stadtteil, Universitäten)

- Begleitende Evaluation: interne und externe

- Curriculare Standards (Festlegung von Standards = das, was alle lernen sollten. Sie sollten gemeinsam von KM und den Schulen festgelegt werden. Die Realisierung, d. h. Methoden und Arbeitsformen bleiben den Schulen überlassen. Das Erreichen der festgelegten Lernziele – der Standards und der selbstdefinierten Ziele – soll überprüft werden (s. Modelle in Skandinavien und in den Niederlanden)

- Kooperation von Schule- Jugendorganisationen auf gleichberechtigter Ebene

- Frühe und kontinuierliche Mehrsprachigkeit, in wesentlichen Bereichen – etwa Alphabetisierung – in der deutschen und in der Muttersprache.